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08 Aug 2016

Eine terminologische Wahl

Eine der Schwierigkeiten bei der Behandlung des Themas des Magischen, ist die Terminologie. In der deutschen Sprache gibt es mehrere Wörter, die dasselbe aber mit verschiedenen Ursprüngen deuten: Zauberei, Zauberkunst, Magie, Illusionismus und sogar Hokuspokus. Die Suche nach den Wörtern im Wörterbuch zeigt schnell eine Doppeldeutigkeit, die zwischen bösen Geistern und Gauklern schwebt. Beobachten wir die Worterklärung von „Zauberei“ in dem Wörterbuch der Brüder Grimm:

I. eigentlich:

1) die thätigkeit des zauberns, das zauberwerk, das zaubern, d. h. das hervorbringen unbegreiflicher, übernatürlicher wirkungen mit hilfe guter, meist aber böser geister; auch die thätigkeit gewisser überirdischer wesen, später auch der gaukler, zauberkünstler und taschenspieler1

Nachdem man die Definition gelesen hat, weiß man nicht ob die Zauberei „überirdisch“ ist oder ob sie sich eher mit dem Schlamm des Jahrmarkts mischt. Die Geschichte der Magie ist von Religion und – selbstverständlich – echter Magie durchdrungen und man darf diese Wurzeln nicht auf dem Weg zur säkularisierten Magie oder „der Ablösung der Götter durch die Hanswurste“2 vergessen.

Meine Wahl richtete sich nach dem, was die Magie als Kunst anbieten kann, wenn man sie in ihren vielfältigen Möglichkeiten betrachtet – unterhaltsame und mystifizierende Möglichkeiten. Im Spanischen können die Wörter ilusionismo, prestidigitación, magia als Synonyme verwendet werden, aber die ersten beiden sind eher als „Kunst der freundlichen Täuschung“3 zu verstehen und bleiben ohne mögliche Verbindung zur „echten“ Magie. ‚Magia wird trotzdem am meisten benutzt, dank der Kraft des Wortes und der Tatsache, dass hier die Wirkungen wichtiger als die Ursachen zu verstehen sind: Ein Prestidigitateur oder Illusionist sind sehr geschickte oder Illusionen schaffende Künstler, die täuschen. Die Erklärung der Ursachen ist im Namen implizit, was nicht beim Wort ‚Magie‘ oder ‚Magiader Fall ist. Die Ambivalenz des Wortes dient hier auch als Strategie, um durch den Namen selbst die Aufmerksamkeit auf die Wirkungen zu richten.

Im Englischen kann man etwas ähnliches wie im Spanischen sehen, aber ohne die starke Ambivalenz der Namen: conjuring, magic, sorcery, witchcraft,… Nur ‚conjuring‚ könnte als die ganz säkulare Form der Magie verstanden werden, obwohl das Wort ‚conjure‚, als Verb, sich auf übernatürliche Kräften beziehen kann. Laut des Collins Wörterbuchs bedeutet conjuring:

noun

the performance of tricks that appear to defy natural laws4

Hier wird die Definition der Brüder Grimm durch die Äußerung „appear to“ säkularisiert. Es bleibt aber die Tatsache, dass die Grenzen des Natürlichen oder des Möglichen überschritten werden müssen, wirklich oder nicht, um etwas als magisch bezeichnen zu können. Sorcery and Witchcraft sind dem deutschen Wort ‚Zauberei‘ (in seinem Verhältnis mit ‚Hexerei‘) sehr ähnlich, indem sie alle sehr direkte und unmittelbare Fäden zu den die echte Magie praktizierenden Künsten werfen. Ein Zauberer wäre im Grunde genommen „jemand, der Zauberkräfte besitzt“5 oder „jemand, der mit der hülfe übernatürlicher geister wunderbare, geheimniszvolle dinge zu vollbringen im stande ist“6. Aber welches Wort passender als die anderen ist, kann man nicht so einfach durch die Definitionen entscheiden. Meine Wahl für das Wort ‚Magie‘ und demzufolge auch ‚MagierIn‘ anstatt ‚ZauberkünstlerIn‘ hat also zwei Hauptgründe: Erstens ist die Bedeutung des Wortes breiter und bietet daher eine sehr breite Mehrdeutigkeit, was uns die verschiedenen Seiten der Magie zu analysieren erlaubt, ohne ständig die eine oder andere Facette zu betonen. Zweitens, wie ich in der Erwähnung der spanischen Version des Wortes meinte, sind für die Magie die Wirkungen und nicht die Ursachen das Wichtigste und in diesem Sinne würden Wörter, die ihre Aufmerksamkeit auf die Geschicklichkeit oder die Verbrüderung des Darstellers mit dem Bösen richten, eine perniziöse Ablenkung verursachen. Ich werde also im Rahmen des Möglichen diese Wörter benutzen und nur in manchen Fällen die Wörter „zaubern“ oder „Trick“, da es manchmal bloß keine andere, bessere Wahl gibt.

1http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GZ02290#XGZ02290 (18. Februar 2015).

2Vgl. STAROBINSKI, Jean, Porträt des Künstlers als Gaukler. Drei Essays. Frankfurt am Main 1985, S. 15.

3Vgl. FELDERER, Brigitte und Strouhal, Ernst Rare Künste. Zur Kultur- und Mediengeschichte der Zauberkunst. Wien 2007, S. 5.

4http://www.collinsdictionary.com/dictionary/english/conjuring (9. März 2015).

5Vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/Zauberer Def. 1 (9. März 2015).

6Vgl. http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GZ02303#XGZ02303 (9. März 2015).

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Magier, Philosoph, Kunsthistoriker, Genießer