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20 Dez 2020

Magische Fragmente: Geschichte der Magie in Mesopotamien I

Erstes Kapitel: Am Anfang war das Wort

1. Am Anfang war das Wort

Hallo! Ich bin Alfonso Rituerto und das ist das erste Kapitel von Magische Fragmente. Wir werden erfahren, woher unser Wort „Magie“ stammt und was wir über ihre Wurzeln lernen können.

1.1. Begründung

Eine der Schwierigkeiten bei der Behandlung des Themas des Magischen, ist die Terminologie. In der deutschen Sprache gibt es mehrere Wörter, die dasselbe aber mit verschiedenen Ursprüngen deuten: Zauberei, Zauberkunst, Magie, Illusionismus und sogar Hokuspokus. Die Suche nach den Wörtern im Wörterbuch zeigt schnell eine Doppeldeutigkeit, die zwischen bösen Geistern und Gauklern schwebt. Die Geschichte der Magie ist von Religion und echter Magie durchdrungen und man darf diese Wurzeln nicht auf dem Weg zur säkularisierten Magie oder „der Ablösung der Götter durch die Hanswurste“1 vergessen.

Ich bin Magier und mein Interesse für die Magie gilt verschiedenen Facetten: Ich möchte besser verstehen, woher die Magie oder Zauberkunst stammt und was unsere Ursprünge sind. Außerdem habe ich, vielleicht Dank meines Studiums in Philosophie und Kunstgeschichte, ein breiteres Interesse für alles, was aus anderen kulturellen Bereichen einen Einfluss auf unsere Kunst hat. In meinen Videos werden wir also sowohl über Zauberkunst als auch über dunkle, von Geistern belebte Magie sprechen. Lasst uns jetzt kurz das antike Griechenland besuchen.

1.2. Das Wort

Unser Wort „Magie“ hat seine Wurzeln im altgriechischen mageia. Das Wort mageia stammt vom alten persischen magus ab. Die Menschen in Griechenland bezeichneten mit mageia die iranischen bzw. persischen Experten in magischen Themen oder Praxen, die den Griechen zufolge ihre Künste unreifen und leichtgläubigen Menschen widmeten. Das griechische Wort magos (Magier) implizierte also stets eine unreife, fremde Praxis. Im Ursprung des Wortes steckt daher eine pejorative, also abwertende Bedeutung in Bezug auf das Anderssein der „Anderen“2. Platon kritisiert hier diejenigen, die glaubten, man könne die Götter anlocken:

Und Bettelpriester und Wahrsager ziehen vor den Häusern Reicher herum und machen sie glauben, daß sie im Besitze einer Kraft seien, die von den Göttern durch Opfer und Zaubersprüche erlangt werde, wenn etwa er oder seine Vorfahren ein Unrecht begangen haben, dies gutzumachen unter Lustbarkeiten und Festen; und falls er einem Feinde etwas antun wolle, könne er mit wenig Kosten gleich gut einem Gerechten wie einem Ungerechten schaden, indem sie mit gewissen Zaubermitteln und Bannsprüchen die Götter, wie sie sagen, bewegen, ihnen dienstbar zu sein. Platon, Der Staat 364.

Nichtsdestotrotz war die Magie in der Antike viel wichtiger als es die Menschen in Griechenland um das späte V. Jahrhundert v. u. Z. zugeben wollten. Die indoeuropäische Wurzel des persischen Wortes magus ist wahrscheinlich *magh-.3 Diese Wurzel bedeutete „Macht haben, machen können“. Die Tradition, der die persische Magie folgt, reicht aber viele Jahrhunderte zurück und bringt uns nach Mesopotamien ins dritte Jahrtausend vor unserer Zeit. Dort wurde die Magie im Gegensatz zu Platons späterer Meinung als eine mächtige Kunst angesehen, deren Übung den Menschen eine Macht über die Natur und sogar über die Götter verlieh. In dem nächsten Video fangen wir an, die Magie aus der Perspektive dieser ersten Zivilisation der Erde kennenzulernen.

1Vgl. STAROBINSKI, Jean, Porträt des Künstlers als Gaukler. Drei Essays. Frankfurt am Main 1985, S. 15.

2Vgl. COLLINS, David J. (Hgs.), The Cambridge History of Magic and Witchcraft in the West. From Antiquity to the Present. Cambridge 2015,Ss. 17, 84 und 106.

3Vgl. https://www.etymonline.com/word/*magh-?ref=etymonline_crossreference (04. Nov. 2020)

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Magier, Philosoph, Kunsthistoriker, Genießer